Wir bauen uns einen letzten Tabellenplatz... Wer Baseball kennt, Humor hat und die Twins nicht über die Maßen schätzt, dürfte bei diesem Doubleheader Wizards vs. Twins jede Menge Spaß gehabt haben. Aber solche Menschen lachen auch über stürzende Skateboarder und haben kein Mitleid mit jungen Hunden, die noch nicht richtig laufen können. Nichts wollte klappen in diesen beiden Spielen, und daran waren nicht nur die ungünstigen Voraussetzungen schuld. Den Twins fehlten mit Farag, Fischer und Trennt gleich drei Leistungsträger, was vor allem im Pitching nachhaltig Wirkung zeigen sollte. Auch die Rahmenbedingungen waren suboptimal. Schwere Regengüsse hätten der Partie beinahe den Garaus gemacht, nur mit Mühe konnten die halben Wizards (der Rest war wohl nicht für die Groundcrew vorgesehen) den Platz zu viertel vor zwei in einen halbwegs spieltauglichen Zustand bringen. Aber all das war keine ausreichende Begründung für das nun folgende Spektakel...
L: Püst (1-4) HR: - MVP: Heese (wieder mal zwei complete games, Hut ab!) Yassin Farag fehlt, Henning Fischer auch, also startet mal wieder Oliver Püst, und er erwischt einen miesen Tag. Vier Hits und drei Walks gibt er eins unten ab und stellt so frühzeitig die Weichen für die dreizehnte Saisonniederlage. Auf der anderen Seite gelingt den Twins offensiv außer Püsts Double zwei oben nichts Nennenswertes, schon gar kein Run. Zwei davon erzielen die Wizards zwei unten auf weitere Walks und erste Schwächen in der Defensive der Twins. Erst im dritten Inning kommt auch von den Twins etwas aufs Scoreboard. Ein ordentlich, aber nicht überragend werfender Pantaleon wird endlich geschlagen. Die Wizards zeigen, dass auch sie defensiv nicht in Bestform sind und lassen auf vier Hits satte fünf Runs zu. Kippt das Spiel? Mitnichten! Püst bleibt in Geberlaune und lädt sich bei einem Aus wieder einmal die Bases. Genug, befindet der mittlerweile nach Knieverletzung ausgewechselte Spielertrainer Andreas Hinze, und bringt den vergangene Woche gegen Frohnau erfolgreichen Florian Wolff für den Long relief. Doch der holt sich noch zwei Runs per Walks heim, ehe das dritte Inning endet. Jetzt sind die Bats der Twins gefordert, um dranzubleiben. Doch Pantaleon schafft es, den Schaden in Grenzen zu halten. Nur Tiralla und und Garies können scoren, die Twins bekommen die Bälle nicht aus dem Infield heraus. Dafür schießen die Twins vier unten die Vögel ab. Rattay und Friesicke bei einem Aus auf Base, da greift Catcher Garies Harald Werner in den Schwung und lädt die Bases. Shortstop Oliver Püst bekommt auf Feids Groundball die Chance aufs Double play, doch sein "Toss" endet im Rightfield. Kaneko und Pantaleon legen Hits nach: es steht 15:7. Den Twins gelingt nicht mehr viel, lediglich Püst kann noch auf einen Error scoren. Die Wizards machen folgerichtig den Sack zu und holen auf Wolff fünf unten mit drei Hits und einem Walk bei einem Aus die fehlenden Runs zur Ten-run-rule.
L: Tiralla (1-4) HR: - MVP: Meyer (3/3, 2 RBI) Spiel zwei starten Kaneko und Tiralla, was prompt ein Regionalligaspiel zur Folge hat, und nicht das Gewürge des ersten Spiels. Die Wizards kommen wieder zuerst aufs Scoreboard. Kaneko punktet auf den Hit von Pantaleon. Punkte gibt es von den Twins wieder erst drei oben. Tiralla scored nach Single und zwei stolen bases auf den Hit von Willhöft, der wiederum von Lars Meyer zum 2:1 nach Hause geschlagen wird. Überhaupt: Lars Meyer. Erst am Samstag nach fast vierjähriger Baseballabstinenz, einer langen Slowpitch-Karriere und einem Bandscheibenvorfall wiederverpflichtet, bot der 25jährige Rightfielder der Twins eine Bombenleistung und ermöglichte es den Twins erst, trotz der Verletzung Hinzes weiterzuspielen. Eine glatte Eins hierfür, Larsi! Im Gegenzug gleichen die Gastgeber wieder aus, eine mögliche Rallye verhindern Meyer und Catcher Garies, als sie den Berliner Malecki bei seinem Versuch, seinen RBI-Single zu einem Double zu stretchen am zweiten Base stoppen. Fünf oben gehen dann die Twins wieder in Führung. Tiralla mit einem Bunt auf eins, Willhöft läßt einen weiteren Bunt folgen, der nach einem Überwurf ins Rightfield den Run und Willhöft ans Dritte bringt, von wo aus Meyer Willhöft per Single einmal mehr nach Hause bringt. Tiralla hält den Laden fünf unten noch einmal sauber, doch wird er jetzt hart geschlagen. Seine Möglichkeiten beschränken sich zur Zeit daruf, das Spiel ins sechste Inning zu bringen, dann muss der Bullpen ran. Doch bei drei fehlenden Pitchern fangen heute genau hier die Probleme an. Er eröffnet das sechste Inning mit einem Walk gegen Malecki, dem Jakobi ein Infieldhit folgen läßt. Malecki stealt das Dritte, einen Pitch später wird Jakobi am Zweiten erwischt, die Twins schöpfen Hoffnung, in der unteren Hälfte der Berliner Batting order doch schnell aus dem Inning zu kommen. Doch der hoch abspringende Groundball von Marc Voß macht diese Hoffnung zunichte. Tiralla lenkt den Ball erst unglücklich ab und wirft ihn dann beim verzweifelten Versuch, doch noch ein Aus zustande zubringen an Firstbaseman Wolff vorbei ins Foul territory. Malecki kommt zum Anschluß nach Hause. Matthias Rattay legt ein Double zum Ausgleich nach. Jetzt muß Tiralla vom Mound, Wolff soll Schadensbegrenzung betreiben, doch Tobias Willhöft will den Lead runner auf Friesickes Groundball am Dritten stoppen. Sein Wurf geht in den Dreck und kann von Jörn Polzin nicht gestoppt werden, die Bases sind geladen. Nun folgt eine Serie von Bunts und daraus resultierenden Fehlentscheidungen, es immer wieder mit dem Lead runner an der Homeplate zu versuchen. Die Nerven bei den Twins liegen nun blank, während die Wizards es nun wieder mit Schlagen versuchen. Zunächst scored Feid auf Maleckis Sacrifice Fly, dann schlägt Junior Jakobi seinen zweiten Hit des Tages mit zwei RBI: es steht 10:4. Den Bock fett machen ein Walk für Spiegel, ein Single von Rattay, ein Error von Leftfielder Oliver Püst auf den weiten Fly ball von Friesicke und der Walk-off-two-RBI-Single von Harald Werner. Das Grauen, in einem Inning zwölf Runs zu kassieren erweist sich als eine doch nicht so surreale Erfahrung wie man meinen möchte, als die souveränen Umpire "Ball game!" rufen. Es ist dieses sechste Inning, das den Blick der Twins auf das Wesentliche schärfen dürfte. Wer nur zu zehnt anreist, hat in den entscheidenden Momenten eines Spiels keinen Spielraum mehr zu wechseln. Wer den Schalter nicht irgendwann umlegen kann, um rechtzeitig zur Schadensbegrenzung das einfache Aus zu machen, stirbt in der Schönheit des mehr oder minder löblichen Versuchs. Wer nicht genug Pitching nach Berlin mitbringt, geht am Ende unter. Die Nerven der Möllner Akteure haben in diesen beiden Spielen nicht gehalten, beim geringsten Druck sackte das Team förmlich in sich zusammen. Dass die Belastung der einzelnen Spieler in Anbetracht der prekären Personallage zu hoch ist, war in diesen beiden Partien überdeutlich zu sehen. In der Regionalliga kann ein Team zu zehnt kaum bestehen, erst recht nicht, wenn von diesen zehn Spieler die Hälfte in irgendeiner Form angschlagen ist. Dennoch war der Auftritt bei den Wizards auch eine Art Offenbarungseid. Mehr scheint unter den gegebenen Umständen nicht machbar zu sein, man sah es in dieser Form zwar noch nie so drastisch, aber in Ansätzen schon häufiger in diesem Jahr. So also müssen sich die Twins allmählich mit dem letzten Tabellenplatz der Regionalliga, den sie bei den Wizards nochmals zementiert haben, anfreunden. |